Apel vor Abschied - SCS-Coach sucht neue Herausforderung

Finn Apel verlässt die Erste Herren
Finn Apel verlässt die Erste Herren

Nach dann viereinhalb Jahren als gleichberechtigter Cheftrainer der 1. Herren zieht es Dich woanders hin. Was sind die Gründe für Deinen Abschied aus der 1. Herren? 

 

Für meine persönliche Entwicklung als Trainer ist es wichtig jetzt den nächsten Schritt zu machen. Sich in einem neuen Umfeld zu beweisen reizt mich ungemein. Wir haben hier viereinhalb Jahre Jahr für Jahr einen Schritt nach dem anderen gemacht. Ich persönlich habe das Gefühl, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel ist, um dem Team neue Impulse zu ermöglichen. 

 

Hast Du schon eine Idee wie eine neue Herausforderung im Herrenbereich für Dich aussehen müsste?

 

Grundsätzlich kommt nicht alles infrage. Die kommende Station muss der logische nächste Schritt sein. Ich möchte neue Reize erfahren und meine Vorstellungen von Fußball auf dem nächsten Niveau einbringen und umsetzen können. Das ist in meinen Augen wichtig, um auch selbst als Trainer auf ein höheres Level zu kommen. 

 

Was für ein Typ Trainer bist Du? Auf welche Dinge legst Du besonderen Wert?

 

Ich habe klare Vorstellungen von Fußball die Pinzipien und Leitlinien im Spiel mit Ball ebenso beinhalten wie Freiräume zu individuellen Lösungen. Gegen den Ball gibt es klare Vorgaben, wie verschiedene Situation zu lösen sind und was dies für jede einzelne Position bedeutet. Zudem ist es wichtig nicht einfach nur zu trainieren, um sich zu bewegen und ab und an den Ball mit zu integrieren. Das Training muss im Spielkontext organsiert sein und verschiedene Schwerpunkte behandeln. Ich setze in diesem Zusammenhang gerne Übungen um, auf die ich als Spieler auch Bock gehabt hätte. Natürlich gibt es auch mal Übungen, wo der Spaß nicht in einem großen Maß zum Tragen kommt. Als Coach muss man zur richtigen Zeit auch mal Kumpeltyp sein, damit sich Spieler wohlfühlen und sich so in einem angenehmen Umfeld entwickeln können. Außerdem lebe ich selbst Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit in allen Bereichen vor. Das erwarte ich natürlich auch von Spielern, da dies in meinen Augen Respekt und Wertschätzung ausdrückt. 

 

Trainer Finn Apel
Trainer Finn Apel

Du hast hier damals in einer seiner schwierigen Phase Verantwortung übernommen. Was war aus Deiner Sicht die größte Herausforderung in der Zeit?

 

Die zentralste Herausforderung war es die Jungs für unseren Weg und den SCS an sich zu begeistern. Es gab und gibt kein Geld, wir hatten keine Kabinen und waren abgestiegen. Da gab es natürlich durchaus attraktivere Umfelder. 

 

Gibt es etwas was Du besonders an Deiner 1. Herren vermissen wirst?

 

Natürlich die Jungs und meine Mitstreiter aus dem Trainer- und Betreuerteam. Die Menschen hinter den Personen werden mir fehlen. Grundsätzlich bin ich sehr dankbar, dass ich hier die Chance bekommen habe mich als Trainer entwickeln und meine Ideen einbringen zu können.  Wenn man mal 4,5 Jahre zurückblickt, dann war ich ein Fussi, der mal ein bisschen höher gespielt hat, gerade eine Ausbildung macht und eigentlich in den letzten Jahren mehr unterm Messer lag als auf dem Platz stand. Zudem war ich als Fußballer ja auch nicht der einfachste Charakter. Mit 22 Jahren musste ich dann verletzungsbedingt meine Karriere beenden und dann kommt ein Trainer, der 25 Jahre Trainererfahrung und eigentlich wenig Sympathien für Spieler hat, die mal ein paar Taler fürs Kicken bekommen haben und der sagt dann zu Dir: Lass uns das zusammen machen, ich will hier gar nicht den Chef spielen und du sollst gleich Verantwortung übernehmen. Was Besseres kann dir eigentlich gar nicht passieren. 22 Jahre jung und du sollst gleich Ideen mit einbringen und bist nicht nur ein Co-Trainer, der ab und zu mal eine Übung machen und ein Kommentar zu etwas geben darf?! Hinzu kommt, dass du den Jungs, von denen auch gleichzeitig einige deine Kumpels sind, plötzlich erzählen sollst wie sie etwas zu machen haben. Warum erwähne ich das? Es sind Kumpels von mir mit denen ich vorher die Wochenenden auch mal anders als nur auf dem Fußballplatz verbracht habe und mit denen ich auch regelmäßig zusammen in den Urlaub fahre. Auch die haben mir die Chance gegeben meine Ideen als Trainer in die Mannschaft einzubringen und mich zu entwickeln. Die Jungs haben immer voll mitgezogen und keineswegs irgendetwas, sei es Trainingsformen, eine Ansage oder sonst etwas, torpediert. Für mich nicht selbstverständlich und ein wichtiger Baustein für meine Entwicklung.

 

Finn Apel bei der Arbeit mit seinem Team
Finn Apel bei der Arbeit mit seinem Team

Was war in der Zeit Dein Highlight und was würdest Du lieber streichen aus Deiner Erinnerung?  

 

Es gab ein paar Jungs, die sich in der Zeit, in der wir Trainer waren, schwerer verletzt haben und danach leider nicht wieder auf den Platz zurückgekehrt sind und dem Fußball teils komplett den Rücken gekehrt haben. Sowas ist immer nicht schön zu erleben. Sportlich war das Spiel bei Croatia als wir den fast unmöglichen Klassenerhalt geschafft haben ein ganz wichtiger Punkt bei uns.  Ein absolutes Highlight war  das Pokalspiel gegen Rugenbergen. Wir hatten es verdient ins Viertelfinale einzuziehen und sind erst im Elfmeterschießen gescheitert. Das waren Momente, in denen man gesehen hat was Mentalität und Einstellung ausrichten können. Und natürlich waren unsere Ausfahrten und Trainingslager immer überragende Veranstaltungen. 

 

Du hast in der Zeit hier die B- und die B-Elite-Lizenz erworben. Was sind Deine langfristigen Ziele als Trainer?  

 

Ziele sind wichtig, um die maximale Leistung abrufen zu können, dennoch weiß ich, dass klar definierte Ziele gerade als Trainer im Fußballgeschäft schwierig sind. Ich möchte mich und vor allem Spieler weiterentwickeln und das Bestmögliche herausholen und was dann am Ende dabei rauskommt, kann man nicht immer selbst beeinflussen. Es muss viel zusammenpassen. Für mich persönlich habe ich das Ziel mittelfristig noch die A-Lizenz zu machen.  

 

Finn Apel mit Jan Bannasch (links),  Daniel Rohroff (mitte) und Maxi Hanich
Finn Apel mit Jan Bannasch (links), Daniel Rohroff (mitte) und Maxi Hanich

Mit Dir verlässt einer der prägensten 1. Herren-Trainer der letzten 15 Jahre den Verein. Was wünschst Du Dir für Dein Team und was ist aus Deiner Sicht wichtig, um den eingeschlagenen Weg erfolgreich weiterzugehen?  

 

Also zuerst einmal verlasse ich den Verein ja nicht komplett sondern ich gebe nur mein Amt als Trainer der 1. Herren ab und werde mich weiterhin um die Weiterentwicklung der Jugendlichen kümmern.   Gerne möchte in Zukunft meinen Teil zur Entwicklung und Verbesserung der Strukturen im Jugendbereich beitragen. Wie intensiv das wird hängt natürlich auch davon ab wo meine nächste Station als Trainer sein wird.  Ich weiß und das lässt mich richtig gut schlafen, dass wir mit David Martensen einen engagierten, ambitionierten und kompetenten Trainer gefunden haben, der einen Plan und klare Vorstellungen vom Fußball hat. Ich freue mich, dass die Jungs unter ihm den nächsten Schritt gehen werden. Der nächste Schritt muss für den Verein sein, dass wir den Jugendbereich kontinuierlich und step by step so aufstellen, dass regelmäßig ambitionierte, talentierte Kicker aus der Jugend kommen und den Sprung in die erste Herren schaffen.

 

Werden wir Dich auch in Zukunft regelmäßig als Gast und Fan bei den Spielen der Ersten begrüßen dürfen?

 

Das auf jeden Fall – in guten wie in schlechten Zeiten. Vielleicht ja gemeinsam mit Relaxo als Stadionsprecher.